Derzeit läuft die PR- Maschinerie auf Hochtouren. Zuletzt besprach ich die neue Staffel von Netflix, heute folgt das Buch. My Way von Tim Raue wurde gestern nach der Premiere im IMAX an einem recht ungewöhnlichen Ort vorgestellt. In der METRO in Friedrichshain wurde für diesen Zweck ein Pop-Up kurzerhand hochgezogen. Zwischen den Regalen speisten geladene Gäste unter anderem Kostproben aus dem Buch und den Anekdoten vom Autor. Der Titel „My Way“ gibt die Linie vor, nach der er handelt und sich sein Kosmos aufbaut. Kompromisslos, gerade und ohne Firlefanz. Eben auf seine Art. Eine Besprechung samt Gewinnspiel zum neuen Buch.
- Der Potsdamer Platz ist ganz im Rahmen der Berlinale hergerichtet.
- Auf dem Weg zum IMAX.
- Das Pop-Up Restaurant in der METRO in Friedrichshain.
- Tim Raue stimmt uns auf sein Menü ein und hat durchaus ein sehr ausgeprägtes Talent, Gäste zu unterhalten.
- Plating…
- … des Hauptgangs.
- Die Schweinebäckchen waren wunderbar, genauso wie die restlichen drei Gänge.
- Ein persönliches Foto durfte nicht fehlen. Auch nahm er sich die Zeit jedem der ca. 50 Gäste eine Ausgabe zu signieren.
Kein normales Kochbuch: My Way von Tim Raue
Vorworte von Köchen oder allzu lange nichts sagende Einleitungen in Kochbüchern sind eigentlich nicht so meins. Bei Tim Raue klebt das Auge an jeder Zeile. Die vorab niedergeschriebenen Erfahrungen, die sein Leben prägten, sind alles andere als trivial oder erscheinen belanglos. Tim Raue hat noch nie einen Hehl um seine Vergangenheit gemacht. Sein Buch leitet mit einer blutigen Schlägerei ein und macht sogleich klar, dass mit diesem Charakter nicht zu spaßen ist. Der großartige erste Teil, der sich über fast ein Drittel des Buchinhaltes erstreckt, gibt seinen Werdegang als Koch in wunderbar geschriebenen Erzählungen wieder.
Es bildet die Zusammenhänge seiner kulinarischen Anschauungen ab und zeigt dem Leser, wie der Umgang in seinen Kreisen als Jugendlicher so war und schafft so das Verständnis für die heutige zum Teil recht ruppigen Auseinandersetzungen mit seinen Teammitgliedern, damals wie heute.
Wer mehr zu dem biografischen Background vorab wissen möchte, begibt sich am besten zur Besprechung der Netflix Staffel, dessen Fokus im Wesentlichen auf diesem Thema liegt. Hier möchte ich mich viel mehr auf die Rezepte aus dem Buch und sein Art zu kochen konzentrieren.
Reduktion statt Materialschlacht
Wo andere Köche heute immer noch eine Materialschlacht mit zig Versionen eines bestimmten Gemüses auf dem Teller stattfinden lassen, besticht Tim Raue durch eine Küche, die im Kern von drei bis vier verschiedenen Komponenten auf dem Porzellan lebt. Diese Reduktion existiert bei ihm davon, dass die auf dem Teller platzierenden Elemente komplett überzeugen müssen und das gerne auch einmal mit einem Knalleffekt. Er definiert seine Küche schon längere Zeit über das „Schärfe-Säure-Süße“- Spiel, das sich bei ihm auch als Qualitätsmerkmal bestimmen lässt.
Die „Signature Dishes“, welche in dem Buch einen Großteil ausmachen, sind (wie zum Beispiel die „Pekingente“) im Geschmack extrem vielschichtig, harmonisch und abwechslungsreich gewürzt. Beim Genuss wird recht schnell klar, warum er als einer der eigensinnigsten Herdkünstler des Landes gilt.
Nachkochbar, 1:1 wohl kaum
Die Rezepte sind im Aufbau funktional und lesen sich schlüssig, wenngleich schon die eingesetzten Apparaturen ein Nachkochen in den heimischen vier Wänden zusätzlich erschweren. Prickelnd empfinde ich es, wenn sogar ein Tim Raue einen Thermomix regelmäßig in seinen Zubereitungsanleitungen zum Einsatz bringt, was so wunderbar die sehr häufig geführte These entkräftet, dass Thermomix-Nutzer einfach nicht kochen können.
Tim Raue gibt bei einem Rezept namens „Reh, Massaman Curry & Chinesische Artischocke“ sogar den Hinweis mit an, dass die Zubereitung wohl drei Köche und zwei Tage Zeit benötigen würde, sollte man es denn wirklich produzieren wollen. Er stuft es selbst als solche Art von Rezepten ein, bei der man bereits beim Lesen beschließt, es sein zu lassen, um lieber ins Restaurant zu gehen und dort zu essen. Das ist eine sehr humoristische Einladung ins Restaurant von Tim Raue in der Rudi-Dutschke-Straße, wie ich finde. Ob man denn in einem der besten Restaurants der Welt von heute auf morgen einen Tisch bekommt, steht auf einem anderen Blatt.
Soulfood von at its best
Diese Küche transpoeriert keinen hochkomplexen Stil, der sich durch neuartige Techniken oder teure Küchengerätschaften identifiziert. Für mich ist seine Art zu Kochen eine Art von „Soulfood“ in höchster Perfektion. Genau wie im Buch zum Anfang die Faust im Gesicht des Gegners landet, trifft er den Gast mit seiner konzentriert gesetzten Schärfe direkt in selbiges. Das spricht dann nicht nur Geschmacksknospen an sondern wirkt auf der emotionalen Schiene recht nachhaltig.
Seinen bemerkenswerter und am Ende des Tages enorm erfolgreiche Bruch mit den klassischen Gepflogenheiten der frankophilen Haute Cuisine beschreibt er in seinem Buch sehr nachvollziehbar. Ein ereignisreicher Besuch in Singapur hat folgenschwere Entscheidungen mit sich geführt dessen Konsequenzen ihn heute zu einem Koch mit einem absoluten Alleinstellungsmerkmal gemacht haben.
Fazit
Auch wenn hier vielleicht das ein oder andere Rezept nicht zwingend 1:1 umgesetzt werden kann, so wäre es doch befremdlich, würde Tim Raue aus diesem Grunde „gewöhnlichere“ und deswegen vielleicht eher belanglose Küche in seinem Kochbuch auffahren. Für mich stecken in diesem Werk enorm viele Inspirationsquellen. Ebenso zeigt er mit seiner einfachen aber dennoch sehr genauen Anrichteweise, wie es auch anders geht. Meiner Meinung nach dürfte der Callwey Verlag mit der Produktion dieses Buchs den Geschmack von vielen ambitionierten sowie auch professionellen Köchen getroffen haben. Für mich ist es ein absolutes „Must have“.
PS: Es gibt neben der Standard-Edition ebenso eine limitierte Sonderausgabe sowie die englische Version.
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Gewinnspiel
Dank der Unterstützung vom Callway Verlag kann ich unter allen Lesern ein Exemplar von „My Way“ verlosen. Jede(r) Leser(-in), die/der an die Mailadresse gewinnspiel@berlinerspeisemeisterei.de unter dem Stichwort „My Way“ seine Adresse und den Grund, warum gerade er/sie das Buch bekommen soll, eine Nachricht sendet, hat die Chance auf eben dieses Exemplar. Der Einsendeschluss ist der 19. Februar 2017. Viel Glück!